Das Festtagsgebäck
Im Jahreslauf hat die Brezel bei vielen Anlässen und Festen einen festen Platz: Zum Jahresbeginn wird die Neujahrsbrezel als Glücksbringer verschenkt. Vor der Fastenzeit verteilt im Schwarzwald der „Schramberger Hansel“ Brezeln bei der alemannischen Fasnet. An Ostern ist die Brezel wie das Ei ein Symbol für Fruchtbarkeit mit langer Tradition: Auf der Schwäbischen Alb im Hungerbrunnental bei Altheim gibt es seit 1533 der „Brezgenmarkt“. Auch Altenriet feiert am Sonntag vor Ostern die Brezel: Die Gemeinde im Landkreis Esslingen hat die Tradition des Brezelmarktes am Palmsonntag in die Gegenwart gerettet, schon 1848 berichtet das Oberamt Nürtingen von diesem „seit alten Zeiten bestehenden Bretzelnmarkt“. Speyer richtet am zweiten Juli-Wochenende das größte Volksfest am Oberrhein aus. Das Speyerer Brezelfest geht zurück auf eine Initiative des „Vereins zur Förderung des Fremdenverkehrs in Speyer“: 1910 beschloss der Verein in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, ein Fest zu organisieren, um Bierbrauern, Brezelbäckern und auch den Tabakfabrikanten der Stadt zusätzlichen Umsatz zu verschaffen.
Auch im Herbst hat die Brezel einen festen Platz beim Feiern: Das größte Volksfest der Welt, das Oktoberfest in München, ist undenkbar ohne „Breze“. Das Traditionsgebäck ist sogar ausgesprochen prominent auf dem diesjährigen Plakat zu sehen. Auf der Grafik präsentiert eine Bedienung im Dirndl mit einem breiten Lächeln alles, was die Wiesn auszeichnet: Bier, Breze und Blasmusik.
In Stuttgart feiert man zur selben Zeit das Cannstatter Volksfest. Auf dem Wasen im Südwesten wie auf der Wiesn im Südosten der Republik sind Brezeln und Breze beliebter Begleiter zu Bier und sättigende Stärkung beim Bummel über das Festgelände.
Wasen und Wies’n – die beiden großen Volksfeste haben einen gemeinsamen Ursprung
Neben den Brezeln als haben die beiden großen süddeutschen Volksfeste eine weitere Gemeinsamkeit: In München wie auch in Stuttgart Bad Cannstatt fiel der Startschuss zur großen Sause bei einem Pferderennen. Im München kam Andreas Michael Dall’Armi, Mitglied der Bayerischen Nationalgarde, auf die Idee, die Hochzeit von Prinzregent Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit einem großen Pferderennen feiern. Die offiziellen Feierlichkeiten zur Hochzeit begannen am 12. Oktober 1810 und dauerten fünf Tage. Am 17. Oktober 1810 fand das Fest mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens seinen Abschluss. Zu Ehren der Braut wurde die Festwiese „Theresens-Wiese“ getauft, heute spricht man von deshalb von der „Theresienwiese“ oder kurz der „Wiesn“. Weiter im Westen stand 1818 der 36. Geburtstag von König Wilhelm I. an. Zusammen mit seiner Frau Katharina gründete der König die „Centralstelle des landwirtschaftlichen Vereins“ zur Förderung der Landwirtschaft. Eben dieser Verein richtete zum 36. Geburtstag des Königs Ende September 1818 auf dem Cannstatter Wasen ein großes landwirtschaftliches Fest aus. Höhepunkte waren ein großes Pferderennen und die Prämierung herausragender Leistungen in der Viehzucht. Benannt wurde das Event „Landwirtschaftliche Fest zu Kannstadt“, es gilt heute als das erste Cannstatter Volksfest.