Das Zunftzeichen
Die Brezel begegnet uns überall: An der Fassade der Handwerksbäckerei in der Dorfhauptstraße, im Schaufenster der Bäckereikette in der Fußgängerzone, auf der Werbung für den Imbiss am Bahnhof, auf Schildern am Souvenirgeschäft am Flughafen. Die Brezel steht für Handwerk und Snack, für Heimat und Tradition. Das ist schon sehr lange so: Als Erkennungszeichen hat die Brezel eine lange Geschichte, deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Seit dem Mittelalter setzen die Bäcker beim Marketing auf die Brezel
Schon seit über 700 Jahren ist die Brezel das Zunftsymbol der Bäcker. Eine der ersten Brezel-Darstellungen findet sich auf dem Sigel der Basler Bäckerzunft aus dem 14. Jahrhundert. Aus derselben Zeit stammt das so genannte „Bäckerfenster“ im Freiburger Münster. Es gehört zu den mittelalterlichen Glasfenstern, die um 1330 von verschiedenen Handwerkszünften gestiftet wurden. Für die kunstvoll gestalteten Fenster mussten die Handwerkervereinigungen tief ins Geldsäckel greifen, sie kennzeichneten ihre Spenden deshalb gerne auch mit ihren Symbolen. Der Stiefel zum Beispiel steht für die Schuhmacher, die Schere für Schneider, das Mühlrad für die Müller. Die Bäckerzunft bildete auf ihrem Fenster ein Ensemble aus einer Brezel und zwei Broten ab. Dieses Zunftzeichen ist gleich dreimal zu sehen und fast auffälliger als das eigentliche Thema des Fensters, die Leidensgeschichte der Katharina von Alexandrien. Sie war eine besonders populäre Heilige, die um 300 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Maxentius den Märtyrertod erlitten haben soll. Heute gilt sie als Schutzherrin von Schülern, Lehrern und den Geisteswissenschaften.
Handwerker im Zeichen der Brezel: das Zunftzeichen
Regulierung und Kontrolle der Berufsausbildung, Vorgaben für die ordnungsgemäße Einrichtung der Arbeitsplätze, Qualitätsrichtlinien für Backerzeugnisse, Vorschriften für den Verkauf: All das gab es bereits im Mittelalter! Verantwortlich für die Handwerksordnung waren die Zünfte. Die ersten dieser Zusammenschlüsse entstanden im 11. und 12. Jahrhundert, sie entwickelten sich zu den wichtigsten Organisationen in den Städten mit großem Einfluss auf Politik und das gesellschaftliche Leben. Dabei griffen die Zünfte durchaus zu drastischen Mitteln: Brachte zum Beispiel ein Brot zu wenig Gewicht auf die Waage, wurde der Bäcker an den Pranger gestellt oder bei der so genannten „Bäckertaufe“ in einem Metallkäfig unter Wasser oder gar in Jauche getunkt. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Zünfte aufgelöst, an ihre Stelle traten die Innungen, die bis heute als Vertretung eines Berufsstandes Ausbildung und Qualität der Erzeugnisse regeln und überwachen.
Brezeln, Schwerter und Löwen: Woher das Bäckerwappen kommt
Bis heute ziert das Zunftzeichen des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. eine Brezel, flankiert von zwei Löwen, einer fünfzackigen Krone und zwei Schwertern. Um die einzelnen Motive wie Löwe und Schwert ranken sich verschiedenste Legenden. Eine davon besagt, dass Kaiser Karl V. im Jahr 1529 den Bäckern gestattete, die Löwen im Wappen zu führen. Als die Türken Wien belagerten, sollen sie in der Nacht einen Stollen unter der Stadtmauer gegraben haben. Die Bäcker, schon in den Nachtstunden ihrem Handwerk zugetan und an der Arbeit in ihren Backstuben, hörten Geräusche, entdecken die Eindringling und verteidigten ihre Stadt „wie die Löwen“. Bewährt haben soll sich der Berufsstand der Bäcker auch bei der zweiten türkischen Belagerung Wiens, woraufhin ihnen Kaiser Leopold I. im Jahr 1690 gewährte, auch die Schwerter im Wappen zu verwenden. Eine schöne Geschichte, für die es leider keine Nachweise gibt. Krone und Löwen sind außerdem auch auf anderen Zunftwappen zu finden, man kann die Krone auch als Zeichen der weltlichen Macht deuten, die Löwen stehen für Eigenschaften wie Kraft, Mut und Klugheit. Übrig geblieben im zeitgemäßen Design ist davon heute häufig nur die Brezel. Sie wird auf Bäckertüten gedruckt, auf die Fenster von Bäckereien geklebt oder hängt als so genanntes „Nasenschild“ in Gassen und Straßen. Diese historischen Werbeschilder, oft kunstvoll aus Metall geschmiedet, werden an der Hauswand angebracht und ragen rechtwinklig, wie die Nase aus dem Gesicht, von der Hauswand.
Übrigens: Statistisch gesehen ist die Brezel bei den meisten Bäckerinnungen im Wappen mit dem Bauch nach oben und den Ärmchen nach unten dargestellt, das schreibt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. auf seiner Webseite.